Donnerstag, 19 Okt 2017
 
 
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Die Entwicklungsgeschichte der Freimaurerei

Die legendären Wurzeln der Freimaurerei reichen bis in die Antike zurück. Nachweisbar ist, dass die heutige Freimaurerei im Mittelalter aus sog. Steinmetzbruderschaften hervorgegangen ist, also den Vereinigungen jener Kunsthandwerker (engl. »Freemasons«), die mit der Errichtung von Kathedralen ihren Unterhalt verdienten. Voraussetzung war ein ungewöhnlich hoher Bildungsgrad.

Eine Kathedrale mit mittelalterlichen Mitteln zu errichten war eine Meisterleistung, Bauleute waren entsprechend gefragte Fachkräfte. So gefragt, dass sie ständig unterwegs waren, in einer Zeit, in der die wenigsten Menschen mehr als ihr eigenes Dorf kennengelernt haben. Die Steinmetzbrüder waren gewissermaßen die ersten nicht adeligen und nicht geistlichen Kosmopoliten. Sie eigneten sich einen Horizont an, der weit über Landesgrenzen hinausreichte, mit einem grenzübergreifenden Netzwerk lokaler "Bauhütten" (engl. »Lodges«, »Logen«), in denen das Brauchtum gelehrt und das Fachwissen an neue Brüder weitergegeben wurde. In diesen “Logen” gab es in Ansätzen sogar bereits ein soziales Sicherungssystem und eine demokratische Struktur. Und natürlich setzte solch eine multikulturelle Vereinigung Toleranz gegenüber Andersdenkenden voraus – damals ebenfalls ungewöhnlich!
Vermutlich infolge der Kreuzzüge brachten die Steinmetze um 1300 die »Gotik« vom Morgen- ins Abendland, einen Baustil, der philosophisches und spirituelles Wissen verschiedenster Epochen und Kulturkreise spiegelt. Als der gotische Bauboom im 16. Jahrhundert durch Aufklärung und Reformation zum Erliegen kam, sicherten englische Logen ihr Fortbestehen durch die Aufnahme von Fördermitgliedern. Da die Steinmetzbruderschaften wegen ihrer toleranten Haltung immer noch hohes Ansehen genossen, zogen die Logen auch Adelige und Bürgerliche an – darunter Dichter und Denker, Kaufleute und Kirchenmänner, Forscher und Handwerker. Und weil die Brüder – eigentlich zum Schutz des Fachwissens vor der Konkurrenz – traditionell zur Verschwiegenheit verpflichtet waren, konnten sich in den Logen Menschen verschiedenster Herkunft und Stände gefahrlos über revolutionäre Ideen austauschen. Offizielles Gründungsdatum der 'modernen' Freimaurerei ist der Zusammenschluss von vier englischen Logen zur »United Grand Lodge of England« am 24. Juni 1717. Die Freimaurerei ist seitdem zu einer »weltumspannenden Bruderkette« mit weltweit rund sechs Millionen Mitgliedern gewachsen, deren Brüder sich u. a. für die Abschaffung des Absolutismus, für Demokratie und die Anerkennung der Menschenrechte, das Ende der Sklaverei, die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika und moderner Nationalstaaten einsetzten.

Unsere Logen sind noch heute Schnittstellen der Gesellschaftsschichten. Noch heute werden Brüder ermuntert, sich mit alten Idealen, neuen Ideen und wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Und noch immer ist es Ziel, Brücken zu bauen, statt einander anzufeinden. Auch das Brauchtum der Steinmetzbruderschaften, das Jahrhunderte alte Ritual mit seinen Jahrtausende alten Symbolen, wird noch weitestgehend unverändert in den Logen gepflegt. Es soll die Brüder dazu ermuntern, sich u. a. in Toleranz gegenüber Andersdenkenden zu üben und für zeitlose Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf- und einzustehen.