Samstag, 16 Dez 2017
 
 
Aus der Chronik der Frisia zur Nordwacht PDF Drucken E-Mail

1886:

  • der deutsch Ingenieur Carl-Friedrich Benz erhält das Patent für seinen Motorwagen;
  • unter ungeklärten Umständen ertrinkt der zuvor entmündigte König Ludwig II. von Bayern im Starnberger See;
  • der Apachenhäuptling Geronimo ergibt sich der US-Armee, der letzte Indianerkrieg ist damit beendet;
  • in New-York wird die Freiheitsstatue aufgestellt;
  • der Coca Cola Sirup wird erfunden
  • 25. September 1886: das Stiftungsprotokoll einer Kinderheilstätte trägt dieses Datum und ist wohl eines der ersten Dokumente, das freimaurerische Aktivitäten auf Sylt dokumentiert.


Der Wortlaut: Von dem Vorsitzenden wurden dem Kassierer 93,10 M
ausgehändigt. Dieser Betrag ist auf vergnügten Zusammenkünften von
Freimaurern gesammelt und hat den Zweck, ein Freimaurerbett in der zu
gründenden Kinderheilstätte zu errichten. Der Kassierer wird ersucht, diesen
Betrag in der Sylter Sparkasse zinstragend zu belegen und dafür ein
Sparkassenbuch, mit obiger Bezeichnung versehen, anzuschaffen.
Gez. Pollacsek, Dr. (Chronik der Frisia, Arnold Winter, S. 2)
Lt. Chronik wird der Betrag dem Hotelbesitzer Heinrich Hamelau zu dem
Zwecke übergeben, das Geld einem Sparkonto zuzuführen. In den Folgejahren
trafen sich die zur Erholung in Westerland weilenden Brüder Frm. im Hotel
Victoria, Ecke Wilhelm- und Stephanstraße gelegen, wieder und erhöhten den
Stiftungsbetrag in ansehnlicher Weise. Im Jahre 1894 verzeichnet Heinrich
Hamelau, der 1890 als Lehrling in der Loge „Zu den drei Weltkugeln“ in
Lübeck aufgenommen wurde, einen Betrag von 765,90 M auf dem Sparkonto.
Heinrich Hamelau ist vermutlich der erste Sylter Freimaurer.
Diese Jahre waren ebenfalls von einer allgemeinen Zunahme der Gästezahlen in
Westerland geprägt. Ihre Zahl stieg von 2900 im Jahre 1884 auf 9385 im Jahre
1892 an. Die Zahl der Einwohner betrug im Jahre 1890 1291.
Westerlands Badinhaber Dr. Pollacsek erwarb die Bäder Marienlust, in Höhe der
heutigen Nordseeklinik gelegen und das Wenningstedter Bad hinzu. Außerdem
erhielt er 1888 von der Regierung die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahn
von Munkmarsch nach Westerland. Dr. Pollacsek war somit der Begründer der
Inselbahn.
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Was geschah noch in dieser Zeit?: 1880 Gründung der freiwilligen Feuerwehr.
1882 und 1884 Gründung von Postagenturen, 1885 Gründung der ersten
Druckerei und Herausgabe des Sylter Intelligenzblattes.
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Im Jahr 1884 verbrachten offensichtlich tatkräftige und hochengagierte
Freimaurer ihren Urlaub auf Sylt. Am 1. August wurde ein Schwesternfest
ausgerichtet, das immerhin von 41 Brüdern und Schwestern besucht wurde. Die
gastronomische Versorgung übernahm Heinrich Hamelau.
Im Juli 1894 wurde außerdem erstmals ein Protokollbuch mit
Anwesenheitslisten und weiteren Aufzeichnungen angelegt. 16 anwesende
Brüder beschließen regelmäßig zusammenzukommen. Von diesem Jahr an
treffen die Brüder sich von Juli bis Ende September wöchentlich im Hotel
Victoria. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl beträgt 16 Brüder.
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Was Geschah noch? Im Jahre 1894 entdeckte der Schweizer Tropenarzt
Alexander Yersin in Hongkong den Pesterreger.
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Im Zuge der zunehmenden freimaurerischen Aktivitäten in Westerland entsteht
der Wunsch unter den zugereisten Brüdern, dass Westerländer Brüder einen
„Kristallisationspunkt“ für die weitere freimaurerische Entwicklung bilden
mögen. Der einzige Westerländer Bruder Heinrich Hamelau übernimmt
zunächst Klärung der Stiftungsangelegenheit.
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Ebenfalls im Jahre 1894 wird der auf dem Stiftungskonto aufgelaufene Betrag
an die Hamburger Großloge, mit der Maßgabe für den stiftungsgemäße
Verwendung zu sorgen, überwiesen. So wurde bereits zu dieser Zeit der Kontakt
zwischen Westerland und Hamburg hergestellt.
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Bis 1899 übernimmt Heinrich Hamelau eine Art Statthalterrolle in Westerland.
Er sorgt für die Öffentlichkeitsarbeit,- so werden z.B. Einladungen für die
regelmäßigen Zusammenkünfte an Plakatwänden auf der Strandpromenade
veröffentlicht und in Inserat in der „Kurliste“ veröffentlicht. Außerdem ist er für
die Einführung neu angekommener Brüder zuständig und organisiert die
Schwesternfeste, derer zwei bis drei pro Jahr veranstaltet werden. Dabei sorgte
er auch für das für das gastronomische Angebot.
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Das Menu in den 90’er Jahren konnte folgendermaßen aussehen:
Hors d’ouvres, klare Schildkrötensuppe, frische Hummer mit Mayonnaise,
filet a la jardiniere, Gänseleberpastete, junge Rebhühner, Kompott/Salat,
Stangenspargel, Eis a la Nesselrode, Käse, Früchte.
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Die von den Brüdern Frm. veranstalteten Feste fanden vermutl. auch bei anderen
Gästen regen Zuspruch. Nur so lassen sich die hohen Einnahmen aus den Festen
erklären.
Die Überschüsse aus den Festen wurden auf das Stiftungskonto eingezahlt, das
im Jahre 1905 einen Betrag von 3649 M verzeichnete. Bereits im Jahre 1898
wurden zwei Kinder von Freimaurerbrüdern für je vier Wochen im Dr. Roß
Kinderheim untergebracht.
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Ereignisse in Westerland in diesen Jahren: 1892: Bau des Postamtes in der
Stephanstraße.
1895: Bau eines Krankenhauses in der Steinmannstraße
1897: Errichtung eines Fernsprechnetzes
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Im Jahre 1899 endet die engagierte Tätigkeit von Heinrich Hamelau.
Offensichtlich hat er das Hotel Victoria aufgegeben. An seine Stelle tritt
zunächst für ein Jahr der Bruder Franz Schmidt für die Verwaltung der Stiftung.
Er bleibt aber nur für ein Jahr in Westerland.
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im Jahre 1902 zieht man aus dem Hotel Victoria aus und trifft sich später im
Restaurant Freese in der Strandstrasse und im Kurhaus. Insgesamt nehmen die
Aktivitäten der Brüder ab, es werden keine Schwesterfeste mehr gefeiert und die
Zusammenkünfte sind nur noch geselliger Natur. Zuvor hatten die
Versammlungen ein strengeres Reglement. Es wurde der logenälteste Bruder
zum Vorsitzenden, erklärt und die Versammlungen wurden eröffnet, geleitet und
ordnungsgem. Geschlossen, die Zeitdauer wurde protokolliert. In den ersten
Jahren des neuen Jahrhunderts nimmt die Zahl der anwesenden Brüder bei den
Versammlungen stetig ab und verharrt zum Schluss bei durchschnittlich 9
Anwesenden. Wieder wird der Wunsch nach einer Vereinigung Westerländer
Brüder geäußert, die einen Kristallisationskern für die Gäste bilden sollten.
Im Jahre 1904 wird kommt es unter dem Einfluss der Brüder Dr. Ohlsen und
Bendix Johannsen zur Aktivierung freimaurerischer Tätigkeiten. 1905 wird
wieder ein Schwesterfest durchgeführt. In der Hochsaison finden 13
Zusammenkünfte statt an denen zwischen 25 und 28 Brüder teilnehmen.
Im Jahr 1909 tritt der schon lange in Westerland lebende Arzt Dr. Paul Nicolas
in die Loge „Zum Widder „ in Berlin ein und verstärkt durch rege Teilnahme die
Westerländer Veranstaltungen. Im Jahre 1910 stößt Carl Baumann, dessen
Name auf der Insel bis heute wegen seiner gastronomischen Aktivitäten gut
bekannt ist, hinzu. Auch er ist Mitglied der Loge „Zum Widder“ in Berlin.
Carl Baumann betreibt die legendäre Baumannshöhle in der Paulstraße und ist
der Hotelier des Hotels Victoria. In der Kurzeitung der damaligen Zeit findet
man für beide Geschäfte Inserate unter seinem Namen. Der anfangs
hochengagierte Heinrich Hamelau tritt zu dieser Zeit nicht mehr in Erscheinung.
In den folgenden Jahren werden in jeder Saison Schwesterfeste mit
befriedigender Beteiligung abgehalten. Am 3.Juli 1914 findet die vorerst letzte
Veranstaltung, an der zwölf Brüder und neun Schwestern teilnehmen, statt.
Als 1914 die Schatten des Ersten Weltkrieges über Europa liegen, erlischt auch
auf Sylt die Aktivität der Freimaurerei. Es verbleibt nur ein kleiner Stamm
Westerländer Frm. Brüder. Zu ihnen gesellen sich aber doch bald weitere
Brüder, die durch die militärische Besetzung auf die Insel gekommen sind.
Im Sommer 1915 versammeln sich die Brüder Julius Piening, Dr. Nicolas,
Lorenz Lassen, Heinrich Krieger und wohl auch Carl Baumann erstmals wieder
im Hotel Victoria. Von dieser Gruppe geht der Impuls aus, alle auf der Insel
befindlichen Brüder einzuladen und ein “freimaurerrisches Kränzchen“ zu
gründen. Man fasst den Entschluss die auf der Insel verweilenden
Freimaurerbrüder alle 14 Tage zu einem Kriegskränzchen zu versammeln.
Dieser Beschluss ist am 21.08.1915 protokolliert und neben den bereits
genannten Brüdern von den Brüdern Westphalen, Otto Christians, August
Diemkannn Ernst Schröder und Ernst Schürenberg unterzeichnet.
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Was geschieht noch in diesen Jahren: 14/15. April 1912: Untergang der Titanic
28.Juni 1914: tödliches Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger
Erzherzog Franz-Ferdinand
August 1914: mit allseitigen Kriegserklärungen der europäischen Nachbarn
beginnt der Erste Weltkrieg
30. August: 17 Marinesoldaten der in der Nordsee von englischen
Panzerkreuzern versenkten Kreuzer „Mainz“ und „Köln“ werden am Sylter
Weststrand angetrieben
22. April 1915: an der Westfront wird von deutschen Soldaten erstmals Giftgas
als Waffe eingesetzt: der Gaskrieg hat begonnen.
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Auf Sylt folgen nach und nach die auf der Insel stationierten Frm. Brüder der
Einladung der Westerländer Brüder. Es sind: Rudolf Ude. Georg Krickhuhn,
Julius Schöss, später folgen Carl Darmer, Carl Dettmer und der uns bereits
bekannte Dr. Ohlsen, der zu dieser Zeit in List stationiert war. Einige Brüder
werden auch in der späteren Entwicklung unserer Loge eine Rolle spielen
Am 2. Oktober 1915, am Tag des 68. Geburtstages von Generalfeldmarschall
Hindenburg, bereits 8 Wochen nach dem Treffen der Westerländer Brüder im
Hotel Victoria, beschloss die Versammlung die Gründung einer
freimaurerischen Vereinigung. In diesem Rahmen wurde auch der Name der
Vereinigung vorgeschlagen und angenommen. Carl Dettmer, Marine-
Oberingenieur in List und Mitglied der Loge „Anker zur Eintracht“ in Vegesack
hatte den Namen
„Frisia zur Nordwacht“ ersonnen.
Zum ersten Vorsitzenden wird Dr. Paul Nicolas gewählt, der zweite Vorsitzende
wird br. Rudolf Ude, Schriftführer und Kassierer wird Br. Julius Piening.
Die Patenschaft der freimaurerischen Vereinigung „Frisia zur Nordwacht“
übernimmt die Lübecker Loge „Zum Füllhorn“. Am 29. Februar 1916
genehmigt die Große Landesloge die Gründung der Vereinigung und den
Namen „Frisia zur Nordwacht“.
Die Gründung einer freimaurerischen Vereinigung war somit vollzogen.
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Eine freimaurerische Vereinigung, auch Kränzchen genannt, das bleibt an dieser
Stelle noch zu erklären, ist eine Vereinigung von Freimaurern der gleichen oder
verschiedener Großlogen, die sich an Orten treffen, in denen es infolge geringer
Mitgliederzahlen noch nicht möglich ist, eine Loge zu gründen. Die
Vereinigungen unterstehern in de Regel dem Schutz einer Loge, hier die Loge
„zum Füllhorn“ in Lübeck. Sie arbeiten ohne besondere Rituale. Ihre Stellung
innerhalb einer Großloge ist aber bereits geregelt und sie können als Vorstufe
zur Logenbildung aufgefasst werden, was dann zunächst als Feldloge mit dem
27.Januar 1917 als Gründungstag und dem 22. März 1919 als Gründungstag für
die Umwandlung in eine gesetzmäßige und vollkommene Johannisloge,
vollzogen wurde.
Soviel für Heute zur Geschichte unserer Frisia zur Nordwacht.